Freitag, 29. Juni 2012

Bis dass der Tod


Als Luca noch da war, kämmte ich das Meer aus meinen Träumen. Es gab kein Wir und es gab kein Ich, kein Heute und keine Vergangenheit.  Im Nachhinein sage ich, ich hätte ahnen sollen wie er mir zwischen den Worten entwich.

Und in den Träumen wiederkehrte, so stürmisch und sanft, wie Gras, das sich im Winde biegt.
Mein Leben wäre ein anderes.

Ich webte Seidenglanz, während ich auf ihn wartete und alt wurde.

Sterbensalt.

An ein Leben danach glaube ich nicht.

Freitag, 22. Juni 2012

Die Wortesammlerin

Täglich denke ich mir
ein neues Wort aus
gegen die Traurigkeit

vielleicht
wenn ich unglücklich wäre
oder azur wie deine Augen
das Meer und den Himmel

nicht Tod oder Freiheit
zu schwer wären sie
durch den Tag zu tragen
auch Liebe nicht

Mittwoch, 13. Juni 2012

im lindenbaum blüht kein wort

wir werden keines finden

das uns trägt

nicht ein einziges



[irgendwann zwischen spätsommer und herbst
vertauschten wir die blicke]


es stirbt sich so leicht

auf dem nachhauseweg

ich drehe mich um

             dich

hätte ich nicht lieben sollen

Samstag, 2. Juni 2012

Wenn schon

Aus der Schublade holt Luca längst vergessene Worte. Manche schmerzen noch immer beim Anblick. Er breitet sie auf dem Tisch aus, legt Messer und Gabel daneben und zerteilt sie minuitös. Ich kaue darauf herum und schlucke sie.

Verrate mich nicht, sage ich. Draußen ist das Leben ein anderes. Da trage ich Lidschatten und Lippenstift. Ich ziehe meine Seele aus. Und lege sie in die Schublade.

Wenn schon, sage ich.

(aus: Mein Freund Luca)

verletzlichkeit des augenblickes

in den armen eines anderen bleibt man nicht derselbe mensch vielmehr vermischen sich durch die berührung zwei seelenteile die erkenne...