Freitag, 17. Dezember 2021

zufluchtsorte

 einer schläft auf der parkbank

 und bündelt  seine gedanken in die nacht

 

 die mondfrau trägt ihr verwaschenes tüllkleid

 wandert mit ihrem seelenklang

 durch die straßen der stadt

 

 hausmenschen retten sich

 vor der finsternis

 flüstern hinter den türen

 

 ich glätte die wogen auf deiner seite

 der schlag der kirchenuhr

 reißt mich aus der stille 

 

 in tausend scherben

 bricht das wort aus deinem mund 

 mich fröstelt schon

 beim anblick deiner stimme

Mittwoch, 15. September 2021

Stadtlyrik

 

die stadt ist zu klein

für eine große liebe

an der flussmauer

stehen kürzel wie „dta“

an die wand gesprüht

im finstern

als die liebenden längst schliefen

 

ich stehe davor

und verstehe

don‘t trust anyone

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la città è troppo piccola

per un grande amore

lungo l’argine del fiume

abbreviazioni come “dta”

spruzzate sul muro

nell’oscurità

quando gli amanti dormivano da un pezzo


sto di fronte 

e capisco

don‘t trust anyone


 

Freitag, 10. September 2021

bleibt immer alles offen

allein oder mit den versen
eines gedichtes
oder mit dir
und dem atem
in meinem haar

spreche mit den steinen
in meiner faust
dem holz vor dem kopf
irgendwo muss sie sein
die frage auf meine antwort

Montag, 6. September 2021

schneewimpern

tauen zu wasser
sagt man
wenn man über liebe spricht
dabei kenne ich
sie nicht persönlich

einmal begegnete ich ihr
im spätherbst
sie trug einen lila mantel
und einen regenschirm

sie nickte nur
im vorbeigehen
ich blieb stehen
und schaute ihr nach

Donnerstag, 2. September 2021

das leben hat ein nebenzimmer

man darf
auch traurig sein
und lieben

die hand
ausstrecken
und allein sein

man darf
ein leben haben
und noch eines

die sehnsucht falten
wie papier
und sie verbrennen

Donnerstag, 19. August 2021

protokoll einer einsamkeit

vor der haustür
streife ich den kitsch
aus den augen
die stimme
lege ich reimlos
an der gardarobe ab

an tagen ohne bedeutung
mache ich notizen
damit ich nichts vergesse

die wand kennt mich
und der lampenschirm
wenn das telefon klingelt
bin ich nicht da

Samstag, 7. August 2021

sprichst mich stumm

in den umlauten
deiner glücksmomente
findet mich
eine wolkige stille

du fragst mich
nach der schüchternheit
unserer begegnung
wiegst das leichte nach

verschweigst dir selbst
das beben auf der haut
sag jetzt nicht baby
dass es am wetter liegt
oder an den umlauten

Dienstag, 13. Juli 2021

still-leben

 

abtauchen ins unendliche
zu den worten
in die sprache meiner ahnen
zu den versen meiner kindheit
auch wenn sich nichts reimt
das leben schon gar nicht
da geht es meistens
mehr drunter als drüber
nur in den leisen vokalen
eines gedichtes
wohnt meine sehnsucht

Mittwoch, 7. Juli 2021

springtime

auf der jagd nach dem duft
in den zeilen deines gedichtes
und dem fensterblick
in das herz
das sich dabei öffnet

gäbe es eine zeit
des näherkommens
um dem frühling
einlass zu gewähren

Donnerstag, 24. Juni 2021

holundermorgen

in den holundermorgen hinein
falte ich gedanken
zu einem gebet
oder zu einem gedicht
manchmal verwischen sich die linien
haben doch beide
ein licht in ihrer seele

Dienstag, 15. Juni 2021

meine leise sprache

die schüchternheit meiner stimme
wickelt sich um den gartenzaun
dein flüstern gibt es
in allen sprachen
ich halte mir die ohren zu
und das herz
damit die worte keinen einlass finden

Freitag, 11. Juni 2021

und es blüht frühling

nun habe ich
die reime beiseitegelegt
einfache worte geformt
aus luft und schnee
dir von den tagen erzählt
von den guten
an die ich mich erinnere
du schlägst die augen nieder
sagst
dass du nichts verstehst
von gedichten
und den menschen dahinter

Dienstag, 1. Juni 2021

sekunden tragen keine last

 [sie sind die kinder der harten tage]

lege mir einen sommerregen
auf das ungesagte
du fragst nach der farbe
meiner sprache
und es fällt
buntes schweigen
aus meinem kopf

Samstag, 15. Mai 2021

haare im wind

 

an den meisten tagen
war die kindheit verwaschen
die farben verloren sich
auf dem heimweg
ein blasses kind
lügt sich geschichten
an die wand
sagen sie
manchmal pochen
die worte im kopf
auf gut passt mut
auf brot passt not
mutter trägt eine karierte schürze
darauf reimt sich nichts

nachts schleichen
vanilleträume ums haus
sprachfetzen aus zimt
und weißer schokolade
türmen gedankenberge
ein freches kind
sagen sie
immer das letzte wort
ungereimtes schon im stammbaum
haare im wind
ein verwittertes kind


 




Montag, 15. März 2021

dichter

zwischen uns lauscht die sprache
ein erdfarbenes gedicht
und jede silbe berührt
das einzigartige
lege mir deine stimme
auf die stirn
und schweige mir
deinen atem

Mittwoch, 27. Januar 2021

farbenpracht

paul ist grün
klaus ist bordeau
christine ist weiß
mathilda ist violett

seit jeher
sehe ich farben
in den namen
meiner mitmenschen

mutter lacht mich aus
und ich streiche
mir die bunten leute
aus dem kopf

verletzlichkeit des augenblickes

in den armen eines anderen bleibt man nicht derselbe mensch vielmehr vermischen sich durch die berührung zwei seelenteile die erkenne...